Ein Buch führt Menschen zusammen

Das Tagebuch von Attilio Iori kann in deutscher und italienischer Sprache gelesen werden

27.10.2016

598 Tage dauerte die Gefangenschaft von Attilio Iori in Nazideutschland. Auf den Tag genauso lang währte es, bis seine Enkelin Alessia Iori sein 1943 - 1945 verfasstes Tagebuch veröffentlichen konnte: vom Entschluss, sich an die KZ-Gedenkstätte Neckarelz zu wenden bis zur Vorstellung des fertigen Buches am 23. Oktober 2016 ebendort. Denn Attilio Iori (1920 - 2007) hatte als italienischer Militärinternierter zwangsweise zunächst im Daimler-Motorenwerk Genshagen,  später im Stollen "Goldflsch" arbeiten müssen.  

Das von der Grafikerin Christina Schneider gestaltete Buch umfasst indes mehr als Attilios Aufzeichnungen. Diese wurden mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen und durch Karten und Fotos anschaulich gemacht. Alessia Iori steuerte einen biografischen Abriss, die Historikerin Dorothee Roos zwei Artikel zum geschichtlichen Hintergrund bei. Der erste beschreibt die Untertage-Verlagerung des Daimler-Werks nach "Goldfisch", auch im Blick auf die italienischen Zwangsarbeiter, die mehr als 10% der Belegschaft ausmachten. Der zweite Artikel beleuchtet das Schicksal der italienischen Militärinternierten allgemein. Denn Attilios Geschichte steht exemplarisch für diese fast vergessene Opfergruppe, die mehr als eine halbe Million Menschen umfasste.

Das Buch ist durchgängig zweisprachig und wendet sich an Leserinnen in Italien wie in Deutschland. Auch die Feierstunde zur Buchvorstellung führte auf bewegende Weise Menschen aus beiden Ländern zusammen. 

Das Buch ist ab sofort in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz zum Preis von 8 Euro erhältlich. Ein Blog von Alessia Iori erzählt die Geschichte seiner Entstehung: 598GIORNI.wordpress.com