"Spurensuche - Mut zur Verantwortung"

Workshop des Verbandes der Odenwälder Museen brachte verborgene Geschichte(n) zu Tage

31.05.2017

Dieter Gräf (Schlossmuseum Merchingen) bei seinem Vortrag

Vergessene, verdrängte, schmerzliche Geschichten kamen am 21. Mai bei einem Workshop der Odenwälder Museen zu Tage. Gemäß dem Motto des Internationalen Museumstages „Contested histories – saying the unspeakable in museums“ (deutscher Titel: "Spurensuche - Mut zur Verantwortung") hatte der Vorsitzende des Verbandes der Odenwälder Museen, Dr. Jörg Scheuerbrandt, die Verbandsmitglieder dazu eingeladen, dem Bild der lokalen Geschichte solche schwierigen, bislang verborgenen oder kaum bekannten Mosaiksteine hinzuzufügen. 
Der Bogen reichte dabei  im ersten Teil vom tragischen Tod von vier Menschen  aus  drei Nationen am 24. Februar 1945 bei einer Schießerei im Gasthaus „Linde“ in Wagenschwend (Gerhard Schäfer, Heimatmuseum Wagenschwend) über neue  Recherchen zu Truppenbewegungen von US-Militär und Waffen-SS im Bauland rund um den KZ-Krankenzug aus Neckarelz (Dr. Jörg Scheuerbrandt, Römermuseum Osterburken) bis zu traumatischen Erfahrungen eines kleinen Jungen im Rahmen der sogenannten „Kinderlandverschickung“ im Raum Buchen (Thomas Naumann, ehemals Freilichtmuseum Gottersdorf).
Im zweiten Teil berichtete  Dieter Gräf (Schlossmuseum Merchingen) von der Beziehung zwischen dem in Russland gefallenen Merchinger Karl Hambrecht und der unentdeckt als „Halbjüdin“ in Dorf lebenden  Eva Lux, abschließend  stellte Jürgen Kowalewski (Heinrich-Hertz-Schule Hamburg / KZ-Gedenkstätte Neckarelz) das Schülerprojekt  „Eine Straße für Asbjörn Halvorsen?“  und die Recherchen zwischen Norwegen, Natzweiler, Neckarelz und Vaihingen dar.
Neben den fünf „Hauptgeschichten“ konnten die Teilnehmenden auf den Tischen und Stellwänden noch mehr Materialien und Dokumente zu schwierigen und bislang kaum erzählten Geschichten entdecken, die auch kurz vorgestellt wurden. Angesichts der unerwarteten Fülle und der hohen Qualität der Beiträge kündigte Dr. Scheuerbrandt an, daraus ein Buch machen zu wollen.
Dieses Buch soll Thomas Naumann, dem nach 30jähriger Tätigkeit kürzlich verabschiedeten früheren Verbandsvorsitzenden  als Hommage gewidmet sein – hat er sich doch stets dafür eingesetzt, dass Museen nicht nur schöne, sondern vor allem wahre Geschichte(n) erzählen.