Kann man Erinnerung fotografieren?!

Start eines französisch-deutschen Schülerprojekts

05.10.2017

Gespannte Aufmerksamkeit bei der Projektvorstellung im Centre Européen

Um  Fotografieren als Form des Erinnerns geht es bei einem großen deutsch-französischen Schüler-Projekt - Start waram 29. September 2017 im Centre européen du résistant déporté (CERD), der französischen Gedenkstätte beim ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Die Idee kam von der Ecole ORT in Strasbourg, Partner sind das CERD und der Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler (VGKN).
 
Für junge Leute ist Fotografieren ist so selbstverständlich wie Atmen – man denkt nicht groß drüber nach, sondern tut es einfach. Doch was bedeutet Fotografieren an einem Ort des ehemaligen NS-Terrors? Wie nähert man sich fotografisch der Vergangenheit? Wird das Vergangene durch Fotos „präsent“ – oder gerade nicht?

Diesen Fragen sollen Schülerinnen und Schüler von insgesamt 16 französischen und deutschen Schulen nachgehen. Sie werden Fotos von den Überresten des KZ-Komplex Natzweiler machen: vom Hauptlager und den vielen Außenlagern vor der eigenen Haustür, nah und doch weit gespannt:  das Gebiet reicht von den Vogesen bis Schwäbisch Hall, von der Neckarmündung bis zur Donau.   

Dabei geht es nicht in erster Linie ums Dokumentieren, sondern um eine persönliche "Sicht" der Orte, um den eigenen, selbst gewählten Standpunkt, fotografisch und auch inhaltlich. Um die Überreste der Neckarlager um Neckarelz kümmert sich der Seminarkurs „Nationalsozialismus“ des Auguste-Pattberg-Gymnasiums Neckarelz.

Die Fotos werden von den Schülern bei einer deutsch-französischen Begegnung im Dezember 2017 bewertet, ausgewählt und zu einer zweisprachigen Ausstellung zusammengesetzt. Diese wird im Umfeld des Holocaust-Gedenktages Ende Januar 2018 in Strasbourg vorgestellt und geht anschließend grenzüberschreitend auf Wanderschaft .

Frédérique Neau-Dufour (CERD), Richard Aboaf (Ecole ORT) und Dorothee Roos (VGKN) stellten das Projekt vor, dann analysierten die jungen Leute in Gruppen ausgewählte Fotos nach inhaltlichen und aufnahmetechnischen Gesichtspunkten.  Dabei gab es erste Aha-Erlebnisse, und beim anschließenden Gang durch das Lagergelände sahen die SchülerInnen die Stätte bereits mit anderen Augen …. 

Im Oktober und November werden sie sich nun vor Ort auf Spuren- und Motivsuche machen.