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Rüstungs-Verstrickung aus Selbsterhaltungswillen

WMF, Zwangsarbeit und Frauen-KZ Geislingen - Kenntnisreicher Vortrag von Sybille Eberhardt

24.02.2018

Die Referentin Sybille Eberhardt (Rechberghausen) bei der Fragerunde nach ihrem Vortrag. Links im Bild Dorothee Roos von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. Foto: Frank Heuß, RNZ Mosbach

Die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) in Geíslingen/Steige gehört zu den Traditionsbetrieben im Ländle. Die Markenprodukte Silit-Kochtöpfe und Cromargan-Bestecke waren schon in den 20er Jahren geschätzt. Wie es kam, dass diese Firma plötzlich Kriegsgüter statt Kopftöpfe mithilfe von KZ-Arbeitsklavinnen herstellen ließ, schilderte kenntnisreich Sybille Eberhardt in ihrem Vortrag am 18.2. 2018.

Den Druck, in die Kriegswirtschaft einzusteigen, verspürte WMF bereits in den 30er Jahren, als die Wiederaufrüstung in Nazideutschland massiv betrieben wurde. Allerdings glaubte die Firma bis zum eigentlichen Kriegsbeginn, zweigleisig fahren und Rüstungsgüter und Kochtöpfe fabrizieren zu können. Doch Rohstoffbeschränkungen und die Angst, Facharbeiter an die eigentliche Rüstungswirtschaft zu verlieren, trieben die WMF-Manager dazu, die Firma umzustrukturieren. Betrug der Rüstungsanteil 1939 erst 10%, stieg er im Lauf des Jahres 1940 bis auf 70% an.  WMF wurde nunmehr Zuliefer-Firma für die Flugzeugindustrie und produzierte Zylinderlaufbüchsen und Triebswerksschaufeln, die Aufnahme in die höchste  Dringlichkeitsstufe des "Jäger"-Programms für Kampfflugzeuge brachte nochmals eine neue Dynamik mit sich.

Wegen des immer drängenderen Arbeitskräftemangels griff WMF schließlich auf KZ-Häftlinge zurück - in diesem Fall auf jüdische Frauen aus Ungarn und Polen. Für sie wurde in Geisglinen ein KZ als Außenlager des KL Natzweiler errichtet, in der Firma selbst ein abgetrennter Produktionsbereich geschaffen und WMF-Mitarbeiterinnen in einem "Schnellkurs" in Ravensbrück zu Aufseherinnen ausgebildet.

Näheres über die Zustände im Lager sowie die "Nachgeschichte" lesen Sie im Artikel von Frank Heuß für die Rhein-Neckar-Zeitung Mosbach.