Offener Raum / Wege aus dem Lager

Nach-denklicher Zugang

Besuchergruppe aus Indien in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz
Besuchergruppe aus Indien im offenen Raum - im Hintergrund der Kasten mit zwei Spiegeln zum Thema "Opfer und Täter"

Den OFFENEN RAUM betreten die Besucher der Gedenkstätte als erstes, wenn sie die Rampe hinaufgestiegen sind. Er ist überdacht, aber durch den offenen Balkenzaun dem Wetter im Außenbereich preisgegeben; besonders fühlbar ist dies im Winter. Damit zeigt der Raum auf ganz direkte Weise, dass die Witterungsbedingungen für die Häftlinge eine wichtige Rolle spielten.

Wie sein Name verrät, hat der Raum eine doppelte Funktion. Die Besucher finden zunächst wichtige Grundinformationen zur Geschichte von „Goldfisch“ und „Zebra“. Diese Wörter stehen symbolisch für die unterirdische Fabrik einerseits, den Lagerbereich andererseits, denn „Zebras“ wurden die Häftlinge in Neckarelz wegen ihrer gestreiften Kleidung genannt.

Auch die Vor-Geschichte zum Jahr 1944 wird in wenige Bilder und Ereignisse gefasst. Diese zeigen stets, wie sich die „große“ Geschichte in der Geschichte vor Ort widerspiegelt.

Ein mit wirklichen Spiegeln ausgestatteter Kasten vermittelt Denkanstöße zum Thema Täter und Opfer; er ermöglicht so einen nach-denklichen Zugang zur Geschichte, konkret zum anschließenden Raum „KZ-Komplex Neckarlager“. Gleichzeitig öffnet dieser Ausstellungsteil aber auch den Weg in die Gegenwart.


Tod, Flucht, Krankheit

In seiner zweiten Funktion, das heißt nach dem Durchgang durch den Raum „KZ-Komplex Neckarlager“, zeigt der Offene Raum mögliche WEGE AUS DEM LAGER auf. Dabei gehören TOD oder FLUCHT sowie EVAKUIERUNG und BEFREIUNG zu den „erwartbaren“ Wegen.

Ein Totenbuch aus Metall ist den Toten der Neckarlager gewidmet; die Themen „Flucht“ und „Evakuierung“ befinden sich an der östlichen Stirnwand der Gedenkstätte, denn die Evakuierung im März 1945 geschah in Richtung KZ Dachau, also nach Südosten.

Im Lagerkomplex Neckarelz konnte aber auch KRANKHEIT ein Weg zum Überleben sein, obwohl das widersprüchlich klingt. Die Gründe dafür finden die Besucher in der begehbaren originalen Revierbaracke. Sie ist dem Thema „Medizinische Versorgung“ und dem häufig lebensrettenden Einsatz der Ärzte gewidmet.