Raum „Natzweiler am Neckar“

Name ohne Ort

Der Name dieses Raums erscheint zunächst rätselhaft. Doch für wenige Monate lag das „KL Natzweiler“ tatsächlich am Neckar; der kleinste Raum der Gedenkstätte stellt diese fast unbekannte Geschichte aus.

Als im Herbst 1944 das Hauptlager Natzweiler und alle seine linksrheinischen Außenlager aufgelöst wurden, zogen der Kommandant des Gesamtkomplexes Natzweiler und seine engsten Mitarbeiter an den Neckar um. Auf den Dokumenten der Kommandantur stand nach wie vor „KL Natzweiler“. Das Konzentrationslager „Natzweiler“ überlebte in seinem bloßen Namen und in seinen Außenlagern rechts des Rheins.

Karten prägen den Raum

Der Raum stellt zunächst auf beweglichen Drehtafeln das Hauptlager Natzweiler in seinen wichtigsten Aspekten dar. Daneben findet man Porträts des Führungspersonals aus der Spätphase des Lagers.

Eine Abfolge von Karten, die aufeinander bezogen sind, rücken dann die Geschehnisse immer näher heran. Zunächst werden die großen „Stammlager“ vorgestellt, zu denen Natzweiler ebenso gehörte wie Dachau oder Buchenwald; die Karte zeigt aber auch die Todesfabriken der Vernichtungslager sowie die Orte der „Euthanasie“-Tötungsanstalten.

Wichtigstes Element bildet die hinterleuchtete Karte, welche sämtliche Natzweiler-Außenlager auf den beiden Rheinseiten enthält. Der Besucher kann zwei unterschiedliche zeitliche Zustände selbst schalten und damit die „Ostverschiebung“ des Komplexes nachvollziehen - denn nach dem Ende der linksrheinischen Lager bestand „Natzweiler“ in seinen rechtsrheinischen Lagern fort. 

Auf der dritten Karte finden sich die Orte der verlagerten Kommandatur, nämlich die Dörfer Guttenbach, Binau und Neunkirchen, eingerahmt von den schon bestehenden sechs Außenlagern um Neckarelz. Die neun Orte bildeten ab November 1944 die wichtigste Zusammenballung innerhalb des Gesamtkomplexes „KL Natzweiler“. Dieser wurde von der Guttenbacher Kommandantur aus verwaltet.

52.000 Namen

Auch auf der anderen Seite des Raumes gibt es Drehtafeln. Sie zeigen und beschreiben fast die gleichen Führungspersonen wie gegenüber, doch nunmehr nach dem Umzug an den Neckar. Hinzugekommen ist der letzte Kommandant von „Natzweiler“, der den gleichnamigen geografischen Ort nie betreten hat.

In der Raummitte befindet sich eine sperrige Stele aus Holz und Stein. Sie stellt mit dem rosa Granit den ursprünglichen Grund für die Errichtung des Lagers Natzweiler im Jahr 1941 aus; zum anderen trägt sie zwei interaktive Bildschirme. Einer von ihnen ist dauerhaft mit der Homepage der heutigen Gedenkstätte des Lagers Natzweiler verbunden, der andere enthält eine Datenbank mit Namen.

Dort können die Besucher selbst recherchieren - in der Datenbank finden sich Namen und Angaben zu sämtlichen 52.000 Häftlinge des Gesamtkomplexes Natzweiler, also aller Menschen, die je im Hauptlager Natzweiler oder in einem der Außenlagers gefangen waren.

Der ehemalige Häftling Jean Samuel sucht seinen eigenen Namen in der Datenbank. Foto: Marie-Clarté Cart