Die Zwangsarbeiterlager im Elzmündungsraum The Forced Labour Camp in The Elz Estuary

Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland Forced Labour in Nazi Germany

Zwangsarbeit war in Hitler-Deutschland allgegenwärtig, vor allem in der zweiten Hälfte des Krieges, als alle wehrfähigen Deutschen im Kriegseinsatz waren.

In Hitler´s Nazi Germany, forced labour was pervasive, especially in the second half of the war when all those Germans who were fit for military service were already deployed.

Die Zwangsarbeiter wurden im Ausland rekrutiert; zunächst versuchte man, in den mit Nazideutschland verbündeten Ländern (Italien, Vichy-Frankreich …) oder in den besetzten Ländern des Ostens Arbeitskräfte anzuwerben.

The forced labourers were recruited abroad. Initially they attempted to aquire workers in those countries that were linked to Nazi Germany (Italy, Vichy-France...) or in those occupied eastern countries.

Als die Anwerbung nicht genügend Menschen lieferte, griffen die NS-Dienststellen zu immer härten Zwangsmaßnahmen: ganze Jahrgänge von jungen Männern wurden zur Arbeit in Deutschland verpflichtet, aber auch Männer und Frauen mit Gewalt von der Straße weg verschleppt.

When the recruitment failed to deliver enough people, the Nazi offices resorted to more and more coercive measures: Not only were entire age groups of young men obliged to join the German workforce, but both men and women were forcefully abducted from the streets.

Die Zwangsarbeiter wurden je nach ihrer Herkunft und ihrem Status unterschiedlich behandelt, hierbei wurden die NS-Rassekriterien angewendet. „Westarbeiter“ hatten es besser als „Ostarbeiter“; zusätzlich wurden auch Kriegsgefangene Strafgefangene und KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen.

The forced labourers were treated very differently, depending on their origins and their status. For this, the Nazis - race criteria would be implemented. ""Western workers" had it better than "Eastern labourers". In addition, prisoners of war, convicts and concentration camp prisoners were forced to work. 

Landwirtschaftliche Arbeiter wurden häufig Familien zugewiesen. Die Industriearbeiter und –arbeiterinnen lebten in Lagern, die von der Arbeitsverwaltung, der Wehrmacht oder anderen Dienststellen geführt wurden. Die KZ-Häftlinge und SS-Strafgefangenen waren der SS unterstellt.

Agricultural workers would often be assigned to families. The industrial workers - both male and female, lived in the camps that were managed by the labour administration, the Wehrmacht (armed forces) or other offices. The concentration camp prisoners and the SS-convicts were subordinate to the SS.

Zwangsarbeiter in Genshagen Forced Labourer in Genshagen

Historische Aufnahme des Zwangsarbeiters Zeno Buratto als Soldat.
Der italienische Militärinternierte Zeno Buratto arbeitete zwangsweise zunächst in Genshagen, später bei "Goldflsch". Foto: Privatarchiv Buratto

Im Daimler-Benz-Motorenwerk Genshagen hatten in den dreißiger Jahren ausschließlich deutsche „Gefolgschaftsmitglieder“ (NS-Ausdruck für „Belegschaft“) gearbeitet. Sie wurden im Lauf des Krieges immer mehr durch „Fremdarbeiter“ aus verschiedenen europäischen Ländern ersetzt, da die deutschen Arbeiter zur Wehrmacht eingezogen wurden.

In the 1930´s the Daimler-Benz engine plant in Genshagen exclusively employed German "loyal followers" (the Nazi expression for "workforce or staff"). During the course of the war, they were gradually replaced by "foreign workers" from various European countries. This occured as the German workers were conscripted to the Wehrmacht (armed forces).

Gleichzeitig zerlegte man die Produktion stärker in Einzelschritte. So konnten die Motoren praktisch am Fließband hergestellt werden. Die Folge war, dass weniger qualifizierte Arbeiter trotzdem mehr Motoren fabrizieren konnten.

At the same time, the production was divided into individual steps. This enabled the engine production to be completed on an assembly line. The result was, that less qualified workers could nevertheless produce more engines.

 

PHOTO: The Italian military prisoner Zeno Buratto, was forced to work - initally in Genshagen, and later at "Goldfish"

Zwangsarbeiterlager im Elzmündungsraum Forced Labour Camp in the Elz Estuary

Als die mechanische Fertigung der Motorenteile im Jahr 1944 von Genshagen in die Gipsgrube Obrigheim verlagert wurde, zogen Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen an den Neckar um. Geschätzt zwei Drittel von ihnen waren Fremd- oder Zwangsarbeiter.

When the mechanical production of the engine components was transferred from Genshagen to the gypsum mine in Obrigheim in 1944, thousands of workers (both male and female) moved to the Neckar. It is estimated that two thirds of these workers were either foreign or forced labourers.

Sie waren in zahlreichen Lagern in der gesamten Region untergebracht. Diese wurden zum Teil in beschlagnahmten festen Gebäuden (darunter wieder Schulen und Turnhallen) errichtet; andere mussten  von KZ-Häftlingen erst errichtet werden. Die Schaffung von ausreichend Unterkünften für die „Gefolgschaftsmitglieder“ von Daimler stellte für das Verlagerungsprojekt „Goldfisch“ eines der größten Probleme dar. Geplant war die Verlagerung von 7.000 Arbeitskräften, dieses Ziel wurde nicht erreicht. 

They were housed in numerous camps in the entire region. Some of these camps were set up in seized permanent buildings (including once again, schools and gyms); other camps had to be initially set up by the concentration camp prisoners. Attempting to create enough lodgings for  Daimler´s "loyal followers" proved to be one of the biggest problems for the "Goldfish" relocation project.  It was planned that 7,000 labourers be transferred - this goal was never attained.

Einige Beispiele für Zwangsarbeiter-Lager:

A few examples of the forced labour camp:

 

 

Lager "Hohl" "Hohl" Camp

"Lager Hohl" Neckarelz
Das "Lager Hohl" in Neckarelz für Ostarbeiter beim Rüstungsprojekt Goldfisch. Rechts oben ist der Ort Hochhausen erkennbar. Foto: Heuberger, 1947

 Das Lager "Hohl" lag westlich der Reichsstraße 27 beim heutigen Neckarelzer Gewerbegebiet (Hornbach etc.) in der Nähe des Neckars, unweit der Eisenbahnbrücke, die zum Stollen "Goldflisch" führte. Es wurde für ursprünglich 1.400 "Ostarbeiter" geplant, in der Realität waren es dann nur etwa 900, außerdem kam ein kleines Straflager für italienische Militärinternierte hinzu. Die Baracken bestanden aus vorgefertigten Betonteilen und wurden von dem aus KZ-Häftlingen bestehenden  "SS-Kommando Barackenbau" zusammengefügt.

The "Hohl" camp was located west of the Reichstraße 27 where today´s Neckarelz industrial park (Hornbach etc) can be found. It was near the Neckar, not far from the railway bridge that led to the "'Goldfish" gallery. It was originally planned for 1,400 "Eastern workers", but in reality there were only around 900. A small prison camp for Italian military internees was another addition. The barracks were made of prefabricated concrete elements and were put together by the concentration camp prisoners from the SS"-command -  barrack construction".

 

 


Die Lagerbaracken wurden später, nach dem Krieg und dem Ende Nazideutschlands, als Unterkünfte für Heimatvertriebene genutzt.

After the war, and the end of Nazi Germany, the camp barracks were used as lodgings for those who had been displaced or expelled from their home countries.

 

PHOTO: The "Hohl" camp in Neckarelz for the Eastern workers at the "Goldfish" armament project. At the top right, you can recognize the village of Hochhausen.

Lager am Hammerweg The Hammerweg Camp

Luftbild Lager Hammerweg Mosbach
Dieser vergrößerte Ausschnitt aus einer alliierten Luftaufnahme vom 13. März 1945 zeigt die Baracken des "Hammerlagers". Am oberen Bildrand erkennt man das Mosbacher Schwimmbad.

Das SS-Strafgefangenenlager am Mosbacher Hammerweg wurde ab Sommer 1944 von KZ-Häftlingen aus dem Lager Neckarelz aufgebaut. Es beherbergte Hunderte von SS-Leuten, die wegen Verstoßes gegen die Regeln der SS selbst zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren.

Construction of The SS-prison camp on the Mosbach Hammerweg began in the summer of 1944, by concentration camp prisoners from the Neckarelz camp. It housed hundreds of SS-men, who as a result of violations of SS rules were themselves sentenced to forced labour.

 

Einer von ihnen war Rudolf Kuhnig. Er erzählte später: "Wir marschierten immer zu Fuß in den Gipsstollen. Wir mussten genauso marschieren wie beim Militär, immer in Dreierreihen. Jeder Trupp war 200 bis 220 Mann stark. In jeder Schicht waren 400 Mann ... Im Gipsstollen arbeiteten wir nicht Seite an Seite mit den KZ-Häftlingen. Wir mussten Maschinen bedienen, die nicht."

One of the prisoners was Rudolf Kuhnig. He would later recall:"We would always march on foot to the gypsum mine. We had to march just like the military, always in rows of three. Every troop consisted of 200-220 men. Every shift had 400 men.... We did not work side by side with the concentration camp prisoners in the gallery. We had to operate the machines, not them."

 

PHOTO: This enlarged section of an aerial view taken on March 13, 1945, shows the barracks of the "Hammer" camp. At the upper edge of the photo one can recognize the Mosbach swimming pool.

"Italienerlager" "Italian Camp"

Die alte Wilhelm-Stern-Grundschule samt Turnhalle in der Nähe des alten Mosbacher Bahnhofs diente als Unterkunft für italienische Militärinternierte. Wegen der relativ großen Entfernung (knapp 5 km) fuhren die italienischen Zwangsarbeiter mit dem Zug zum "Goldfisch"-Stollen.

The old Wilhelm-Stern-Elementary School along with the gym located near the old Mosbach train station, served as the lodgings for the Italian military internees. As a result of the relatively long distance (around 5km), the Italian forced labourers took the train to the "Goldfish" gallery.

"Heimschule"

Das Lager „Heimschule“ in einem Gebäude der heutigen Johannes-Diakonie sah im Mai 1944 eine Belegung mit zunächst 500 Arbeitskräften vor, später sollte auf 1.200 Plätze aufgestockt werden. In diesem Lager gab es auch Frauen, für die neue Baracken auf dem Gelände gebaut wurden.

The "Heimschule" camp was located in a building of the present day Johannes-Diakonie. In May 1944, it had provided for an occupancy of initially 500 workers. Later on, it was to be increased to 1,200 places. There were women in this camp, for whom new barracks were constructed.

 

Ab August waren siebenhundert „Goldfisch“-Arbeiter in der Heimschule Mosbach untergebracht; durch einen Dachausbau kamen weitere 180 Betten hinzu, und zusätzliche Baracken erweiterten das Lager Mosbach bis September 1944 auf tausend Plätze.

Seven hundred "Goldfish" workers were housed in the Mosbach "Heimschule" from August 1944. A conversion of the attic made room for an additional 180 beds. By September 1944, additional barracks extended the Mosbach camp and expanded its capacity to 1,000 places.