Die Zwangsarbeiterlager im Elzmündungsraum

Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland

Zwangsarbeit war in Hitler-Deutschland allgegenwärtig, vor allem in der zweiten Hälfte des Krieges, als alle wehrfähigen Deutschen im Kriegseinsatz waren.

Die Zwangsarbeiter wurden im Ausland rekrutiert; zunächst versuchte man, in den mit Nazideutschland verbündeten Ländern (Italien, Vichy-Frankreich …) oder in den besetzten Ländern des Ostens Arbeitskräfte anzuwerben.

Als die Anwerbung nicht genügend Menschen lieferte, griffen die NS-Dienststellen zu immer härten Zwangsmaßnahmen: ganze Jahrgänge von jungen Männern wurden zur Arbeit in Deutschland verpflichtet, aber auch Männer und Frauen mit Gewalt von der Straße weg verschleppt.

Die Zwangsarbeiter wurden je nach ihrer Herkunft und ihrem Status unterschiedlich behandelt, hierbei wurden die NS-Rassekriterien angewendet. „Westarbeiter“ hatten es besser als „Ostarbeiter“; zusätzlich wurden auch Kriegsgefangene Strafgefangene und KZ-Häftlinge zur Arbeit gezwungen.

Landwirtschaftliche Arbeiter wurden häufig Familien zugewiesen. Die Industriearbeiter und –arbeiterinnen lebten in Lagern, die von der Arbeitsverwaltung, der Wehrmacht oder anderen Dienststellen geführt wurden. Die KZ-Häftlinge und SS-Strafgefangenen waren der SS unterstellt.

Zwangsarbeiter in Genshagen

Historische Aufnahme des Zwangsarbeiters Zeno Buratto als Soldat.
Der italienische Militärinternierte Zeno Buratto arbeitete zwangsweise zunächst in Genshagen, später bei "Goldflsch". Foto: Privatarchiv Buratto

Im Daimler-Benz-Motorenwerk Genshagen hatten in den dreißiger Jahren ausschließlich deutsche „Gefolgschaftsmitglieder“ (NS-Ausdruck für „Belegschaft“) gearbeitet. Sie wurden im Lauf des Krieges immer mehr durch „Fremdarbeiter“ aus verschiedenen europäischen Ländern ersetzt, da die deutschen Arbeiter zur Wehrmacht eingezogen wurden.

Gleichzeitig zerlegte man die Produktion stärker in Einzelschritte. So konnten die Motoren praktisch am Fließband hergestellt werden. Die Folge war, dass weniger qualifizierte Arbeiter trotzdem mehr Motoren fabrizieren konnten.

Zwangsarbeiterlager rund um "Goldfisch"

Als die mechanische Fertigung der Motorenteile im Jahr 1944 von Genshagen in die Gipsgrube Obrigheim verlagert wurde, zogen Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen an den Neckar um. Geschätzt zwei Drittel von ihnen waren Fremd- oder Zwangsarbeiter.

Sie waren in zahlreichen Lagern in der gesamten Region untergebracht. Diese wurden zum Teil in beschlagnahmten festen Gebäuden (darunter wieder Schulen und Turnhallen) errichtet; andere mussten  von KZ-Häftlingen erst errichtet werden. Die Schaffung von ausreichend Unterkünften für die „Gefolgschaftsmitglieder“ von Daimler stellte für das Verlagerungsprojekt „Goldfisch“ eines der größten Probleme dar. Geplant war die Verlagerung von 7.000 Arbeitskräften, dieses Ziel wurde nicht erreicht. 

Einige Beispiele für Zwangsarbeiter-Lager:

Lager "Hohl"

"Lager Hohl" Neckarelz
Das "Lager Hohl" in Neckarelz für Ostarbeiter beim Rüstungsprojekt Goldfisch. Rechts oben ist der Ort Hochhausen erkennbar. Foto: Heuberger, 1947

 Das Lager "Hohl" lag westlich der Reichsstraße 27 beim heutigen Neckarelzer Gewerbegebiet (Hornbach etc.) in der Nähe des Neckars, unweit der Eisenbahnbrücke, die zum Stollen "Goldflisch" führte. Es wurde für ursprünglich 1.400 "Ostarbeiter" geplant, in der Realität waren es dann nur etwa 900, außerdem kam ein kleines Straflager für italienische Militärinternierte hinzu. Die Baracken bestanden aus vorgefertigten Betonteilen und wurden von dem aus KZ-Häftlingen bestehenden  "SS-Kommando Barackenbau" zusammengefügt.
Die Lagerbaracken wurden später, nach dem Krieg und dem Ende Nazideutschlands, als Unterkünfte für Heimatvertriebene genutzt.

Lager am Hammerweg

Luftbild Lager Hammerweg Mosbach
Dieser vergrößerte Ausschnitt aus einer alliierten Luftaufnahme vom 13. März 1945 zeigt die Baracken des "Hammerlagers". Am oberen Bildrand erkennt man das Mosbacher Schwimmbad.

Das SS-Strafgefangenenlager am Mosbacher Hammerweg wurde ab Sommer 1944 von KZ-Häftlingen aus dem Lager Neckarelz aufgebaut. Es beherbergte Hunderte von SS-Leuten, die wegen Verstoßes gegen die Regeln der SS selbst zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren.

Einer von ihnen war Rudolf Kuhnig. Er erzählte später: "Wir marschierten immer zu Fuß in den Gipsstollen. Wir mussten genauso marschieren wie beim Militär, immer in Dreierreihen. Jeder Trupp war 200 bis 220 Mann stark. In jeder Schicht waren 400 Mann ... Im Gipsstollen arbeiteten wir nicht Seite an Seite mit den KZ-Häftlingen. Wir mussten Maschinen bedienen, die nicht."

"Italienerlager"

Die alte Wilhelm-Stern-Grundschule samt Turnhalle in der Nähe des alten Mosbacher Bahnhofs diente als Unterkunft für italienische Militärinternierte. Wegen der relativ großen Entfernung (knapp 5 km) fuhren die italienischen Zwangsarbeiter mit dem Zug zum "Goldfisch"-Stollen.

"Heimschule"

Das Lager „Heimschule“ in einem Gebäude der heutigen Johannes-Diakonie sah im Mai 1944 eine Belegung mit zunächst 500 Arbeitskräften vor, später sollte auf 1.200 Plätze aufgestockt werden. In diesem Lager gab es auch Frauen, für die neue Baracken auf dem Gelände gebaut wurden.
Ab August waren siebenhundert „Goldfisch“-Arbeiter in der Heimschule Mosbach untergebracht; durch einen Dachausbau kamen weitere 180 Betten hinzu, und zusätzliche Baracken erweiterten das Lager Mosbach bis September 1944 auf tausend Plätze.