Vernissage - Edit Bán-Kiss: Das "Album Déportation"

Samstag, 27. Januar 2018

14:30 - KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Man sieht schmale Frauen in blaugrau-gestreifter Kleidung, schwer arbeitend, erschöpft, geschlagen oder um eine kleine wärmende Flamme geschart. Das „Album Déportation“ der Budapester Künstlerin Edit Bán-Kiss drückt das Leid der KZ-Haft unmittelbar aus, doch verrät die malerische Behandlung auch ein geschultes Auge und kompositorische Meisterschaft. Die KZ-Gedenkstätte Neckarelz zeigt diesen Gemäldezyklus von 30 Gouachen ab dem 28. anuar 2018 im Seminarraum. Doch in welchem Zusammenhang steht die Geschichte von Edit Bán-Kiss mit den KZ-Außenlagern um Neckarelz, die doch reine Männerlager waren?

Edit Bán-Kiss, geboren 1905, die in den 20er Jahren in Budapest und Düsseldorf Bildhauerei studiert hatte,  wurde im Herbst 1944 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus Budapest verschleppt. Nach kurzer Haftzeit im Frauen-Konzentrationsla­ger Ravensbrück kam sie im Dezember 1944 ins KZ-Außenlager „Daimler-Benz Genshagen“. Dieses Lager war direkt im Keller einer Produktionshalle des größten deutschen Motorenwerks in Ludwigs­felde/Kreis Teltow eingerichtet worden; das Werk hatte 1100 KZ-Frauen angefordert, um die Endmontage von Flugzeugmotoren auszuführen. Die eigentliche Ferti­gung der Motoren war im August 1944 unter dem Tarnnamen „Goldfisch“ in unterirdische Gipsstollen bei Obrig­heim/Neckar verla­gert worden. Diese Verlagerung führte in unserer Region zur Gründung der KZs am Neckar; die „Frauen von Genshagen“ bildeten praktisch das andere Ende der Produktionskette.  

Der Berliner Autor und Filmemacher Dr. Helmuth Bauer hat das Schicksal dieser Frauen in 20jähriger akribischer Arbeit erforscht, rekonstruiert und mehrere Dutzend Überle­bende ausfindig gemacht. Er entdeckte auch in London das „Album Déportation“ von Edit Bán-Kiss und sicherte es für die Nachwelt. Der Bilderzyklus mit 30 Gouachen stellt eine der frühesten künstlerischen Bear­beitungen der Deportation dar, die Künstlerin malte ihn unmittelbar nach der Befreiung um Sommer 1945; später sprach sie nie wieder über ihre Erlebnisse.

Die Ausstellung wird am 27. Januar 2018  um 14.30 offiziell eröffnet, hierzu sind alle  Interessierten herzlich eingeladen den Einladungsflyer finden Sie hier. Besondere Gäste sind Edit Bán-Kiss‘ Schicksalsgenossin Alicja Kubecka aus Warschau sowie Helmuth Bauer aus Berlin. Dieser Tag ist gleichzeitig der 20. Jahrestag der Gründung der KZ-Gedenkstätte Neckarelz. Die Ausstellung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und der Gleichstellungsbeauftragen des Neckar-Odenwald-Kreises unterstützt. Die Daimler-Benz AG stellt speziell für diesen Anlass einen Katalog her.

 Die Kunstwerke sind vom 28. 1. bis 18. 3. 2018 sonntags zu den üblichen Öffnungszeiten der Gedenkstätte von 14 – 17 Uhr zu sehen; jeden Sonntag um 15.30 findet dazu eine spezielle Führung statt. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei – Besuche von Gruppen sind nach vorheriger Vereinbarung jederzeit möglich.

Kriegsgüter statt Kochtöpfe. Weibliche Rüstungs-Zwangsarbeit für WMF und das Frauen-KZ Geislingen an der Steige

Sonntag, 18. Februar 2018

11:00 - Matinée im Seminarraum der KZ-Gedenkstätte

WMF-Werk Geislingen im Jahr 1910

 Referentin: Sibylle Eberhardt, Rechberghausen

 Von August 1944 bis Ende März 1945 be­schäftigte die Württembergische Metallwa­renfabrik (WMF) in Geislingen/Steige, schon in den zwanziger Jahren bekannt für die Geschirr-Marken Cromargan und Silit, über 800  weibliche KZ-Häftlinge in der Rüstungsproduktion. Polinnen und Ungarin­nen jüdischer Herkunft mussten Munition und Aggregate für Düsenflug­zeuge fertigen. Für die Frauen wurde am Ort ein KZ-Außenlager einge­richtet, das zum Komplex Natzweiler ge­hörte.
Sibylle Eberhardt hat die Geschichte insbesondere der polnischen KZ-Frauen von Geislingen systematisch erforscht und arbeitet an einer Publikation hierzu. In ihrem Vortrag wird sie die Geschichte des Lagers und der Einsatz der Frauen bei WMF anhand ausgewählten Lebensgeschichten darstellen.