noch bis 18. 3.2018: Ausstellung Edit Bán-Kiss: Das "Album Déportation"

Sunday, 28. January 2018

14:00 - - Von Sonntag 28.Januar bis Sonntag 18.März 2018, Seminarraum der KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Man sieht schmale Frauen in blaugrau-gestreifter Kleidung, schwer arbeitend, erschöpft, geschlagen oder um eine kleine wärmende Flamme geschart. Das „Album Déportation“ der Budapester Künstlerin Edit Bán-Kiss drückt das Leid der KZ-Haft unmittelbar aus, doch verrät die malerische Behandlung auch ein geschultes Auge und kompositorische Meisterschaft. Die KZ-Gedenkstätte Neckarelz zeigt diesen Gemäldezyklus von 30 Gouachen ab dem 28. anuar 2018 im Seminarraum. Doch in welchem Zusammenhang steht die Geschichte von Edit Bán-Kiss mit den KZ-Außenlagern um Neckarelz, die doch reine Männerlager waren?

Edit Bán-Kiss, geboren 1905, die in den 20er Jahren in Budapest und Düsseldorf Bildhauerei studiert hatte,  wurde im Herbst 1944 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus Budapest verschleppt. Nach kurzer Haftzeit im Frauen-Konzentrationsla­ger Ravensbrück kam sie im Dezember 1944 ins KZ-Außenlager „Daimler-Benz Genshagen“. Dieses Lager war direkt im Keller einer Produktionshalle des größten deutschen Motorenwerks in Ludwigs­felde/Kreis Teltow eingerichtet worden; das Werk hatte 1100 KZ-Frauen angefordert, um die Endmontage von Flugzeugmotoren auszuführen. Die eigentliche Ferti­gung der Motoren war im August 1944 unter dem Tarnnamen „Goldfisch“ in unterirdische Gipsstollen bei Obrig­heim/Neckar verla­gert worden. Diese Verlagerung führte in unserer Region zur Gründung der KZs am Neckar; die „Frauen von Genshagen“ bildeten praktisch das andere Ende der Produktionskette.  

Der Berliner Autor und Filmemacher Dr. Helmuth Bauer hat das Schicksal dieser Frauen in 20jähriger akribischer Arbeit erforscht, rekonstruiert und mehrere Dutzend Überle­bende ausfindig gemacht. (Näheres hierzu unter http://www.gesichter-der-kz-zwangsarbeit.de/) Er entdeckte auch in London das „Album Déportation“ von Edit Bán-Kiss und sicherte es für die Nachwelt. Der Bilderzyklus mit 30 Gouachen stellt eine der frühesten künstlerischen Bear­beitungen der Deportation dar, die Künstlerin malte ihn unmittelbar nach der Befreiung um Sommer 1945; später sprach sie nie wieder über ihre Erlebnisse.  

Die Kunstwerke sind vom 28. 1. bis 18. 3. 2018 sonntags zu den üblichen Öffnungszeiten der Gedenkstätte von 14 – 17 Uhr zu sehen; jeden Sonntag um 15.30 findet dazu eine spezielle Führung statt. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei – Besuche von Gruppen sind nach vorheriger Vereinbarung jederzeit möglich.

Für Lohn und Würde. Der Kampf der "Frauen von Genshagen" um Entschädigung und Anerkennung

Thursday, 15. March 2018

18:00 - KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Überlebende der "Frauen von Genshagen" in Warschau, 1992. Foto: Helmuth Bauer

1000 Frauen aus dem KZ Ravensbrück wurden im Herbst 1944 dringlich von der Daimler-Benz-Motorengesellschaft Genshagen angefordert. Fast alle Mitarbeiter waren nach Obrigheim zu "Goldfisch" verlagert worden. Die Frauen sollten die fehlenden Arbeitskräfte für die Endmontage ersetzen, denn dieser letzte Fertigungsschritt fand nach wie vor in Genshagen statt.  Für sie wurde im Keller der größten Produktionshalle auf dem Werksgelände das KZ-Außenlager "Daimler-Benz Genshagen" eingerichtet. 
50 Jahre später kämpfte eine Gruppe von überlebenden Frauen darum, nachträglich Lohn und Anerkennung zu erhalten, materiell wie immateriell. Viele waren durch die KZ-Haft für ihr Leben gezeichnet.
Die Filmemacher Helmuth Bauer und Rainer Burmeister haben diesen Prozess der Auseinandersetzung mit dem Daimler-Konzern filmisch dokumentiert. Der Film wurde 1999 auf ARTE gesendet.
Der Abend ist in drei Teile geteilt: Präsentation des Films, Besuch des Bilderzyklus "Das Album Deportation" von Edit Bán-Kiss, Schlussdiskussion mit Beispielen zur zwangsweisen Ausbeutung von weiblicher Arbeitskraft heute.
Die Veranstaltung wird von der Gleichstellungsbeauftragen des Neckar-Odenwald-Kreises unterstützt.

Jahreshauptversammlung des Vereins KZ-Gedenkstätte Neckarelz

Monday, 26. February 2018

19:00 - Seminarraum der KZ-Gedenkstätte

Dieses Jahr laden wir bereits zur 25. Jahreshauptversammlung des Vereins ein - alle Mitglieder, aber auch Freunde und Interessierte.  Da dieses Jahr keine Wahlen anstehen, haben wir Zeit und Ruhe, ausführlich auf das letzte Jahr, weniger breit auch auf die 24 anderen Jahre zurückzuschauen und die beschleunigte Entwicklung der letzten Jahre – vielleicht auch kritisch – zu diskutieren.  

Hier ist die vorgeschlagene Tagesordnung: 
1. Begrüßung
2. Rechenschaftsbericht des Vorstandes zu 2017, Aussprache.
3. Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer, Aussprache
4. Entlastung des Vorstandes
5. Kulturerbe-Siegel, Kulturerbe-Jahr – was bedeutet (uns) das? Wie nehmen wir unsere Arbeit wahr, wie   wird sie wahrgenommen? Wo sehen wir Probleme, wo Chancen für unser Profil?
6. Zukunftsaufgaben und Zukunftsvorhaben – für 2018 und darüber hinaus
7. Verschiedenes

Ökumenischer Jugendkreuzweg auf dem Geschichtslehrpfad "Goldfisch"

Wednesday, 28. March 2018

16:45 - Treffpunkt Bushaltestelle "Gardinenfabrik Obrigheim"

Jacques Barrau (1925 - 1997): Ohne Titel

Nicht selten haben KZ-Überlebende den mühseligen Weg zur Arbeit auf dem Treppenweg zum Stollen "Goldfisch" mit einem Kreuzweg verglichen. Auch auf einer Zeichnung des französischen politischen Häftlings Jacques Barrau wird die Bildsprache von Darstellungen des Kreuzwegs aufgenommen.

Der Jugendkreuzweg, entwickelt von Jugendlichen, nimmt Zeichnungen von Jacques Barrau als Ausgangspunkt. Die jugendlichen Akteure laden dazu ein, an verschiedenen Stationen innezuhalten und Gedankenverbindungen herzustellen - nicht nur zwischen dem Leid der Häftlinge und der Passion, sondern auch zwischen damals und heute.

Die Veranstaltung in Kooperation mit den Kirchen wendet sich an Menschen aller Generationen und Glaubensrichtungen.

Gutes Schuhwerk ist erforderlich!